Schweizer System: so funktioniert es
Im Schweizer System spielen alle bis zum Schluss, und trotzdem braucht es viel weniger Runden als bei jeder gegen jeden. Der Trick: In jeder Runde treffen Teilnehmende mit gleich vielen Punkten aufeinander.
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Die Regeln in vier Sätzen
- Alle spielen gleich viele Runden, niemand scheidet aus.
- In jeder Runde werden Teilnehmende mit gleich vielen Punkten gegeneinander ausgelost (eine Punktgruppe).
- Niemand spielt zweimal gegen denselben Gegner.
- Die Paarungen der nächsten Runde stehen erst fest, wenn alle Resultate da sind.
So spielen die Stärksten immer früher gegeneinander, und am Schluss gibt es mit wenigen Runden eine faire Rangliste – ganz ohne K.-o.
Wie viele Runden?
| Teilnehmende | Runden mindestens | Empfohlen | Zum Vergleich: jeder gegen jeden |
|---|---|---|---|
| bis 8 | 3 | 3–4 | 7 Runden |
| bis 16 | 4 | 5 | 15 Runden |
| bis 32 | 5 | 6 | 31 Runden |
| bis 64 | 6 | 7 | 63 Runden |
Beispiel mit 8 Teilnehmenden
Gesetzt nach Stärke 1 bis 8, Sieg = 1 Punkt. In der ersten Runde spielt die obere Hälfte gegen die untere (1 gegen 5, 2 gegen 6 …). Danach wird innerhalb der Punktgruppen gepaart, wieder obere gegen untere Hälfte. Der Sieger ist jeweils zuerst genannt:
| Runde | Paarungen | Wie gepaart |
|---|---|---|
| 1 | 1 – 5 · 2 – 6 · 3 – 7 · 4 – 8 | nach Setzliste |
| 2 | 1 – 3 · 2 – 4 · 5 – 7 · 6 – 8 | Gruppe 1 Pkt: 1–4, Gruppe 0 Pkt: 5–8 |
| 3 | 1 – 2 · 3 – 5 · 6 – 4 · 7 – 8 | 2 Pkt: 1, 2 · 1 Pkt: 3–6 · 0 Pkt: 7, 8 |
Schlussrangliste mit Buchholz (Summe der Punkte aller Gegner) bei Punktgleichheit:
| Rang | Teilnehmer | Punkte | Buchholz |
|---|---|---|---|
| 1. | Nr. 1 | 3 | – |
| 2. | Nr. 2 | 2 | 6 |
| 3. | Nr. 3 | 2 | 5 |
| 4. | Nr. 6 | 2 | 3 |
| 5. | Nr. 5 | 1 | 6 |
| 6. | Nr. 4 | 1 | 4 |
| 7. | Nr. 7 | 1 | 3 |
| 8. | Nr. 8 | 0 | – |
Nr. 2, 3 und 6 haben je 2 Punkte. Nr. 2 hat gegen die stärksten Gegner gespielt (Nr. 6, 4 und 1 mit zusammen 2 + 1 + 3 = 6 Punkten) und wird Zweiter.
Paarungsregeln im Detail
- Innerhalb der Punktgruppe: Obere Hälfte gegen untere Hälfte (in der Gruppe nach Setzliste oder Buchholz sortiert).
- Ungerade Punktgruppe: Der Schwächste der Gruppe rutscht in die nächsttiefere Gruppe („Floater“).
- Schon gegeneinander gespielt: Dann den nächstmöglichen Gegner in der Gruppe nehmen.
- Freilos: Bei ungerader Teilnehmerzahl hat der Letzte, der noch kein Freilos hatte, spielfrei und bekommt einen Sieg.
Für Plauschturniere reicht es einfacher: Nach jeder Runde nach Punkten sortieren und von oben nach unten paaren: 1 gegen 2, 3 gegen 4 … (ohne Wiederholungen). Das ist nicht ganz lehrbuchmässig, aber schnell und für alle nachvollziehbar.
Wann sich das Schweizer System lohnt
- Viele Teilnehmende, wenig Zeit: 30 Jassteams in 5 Runden statt 29.
- Alle sollen bis zum Schluss spielen: Kein Ausscheiden nach der ersten Runde.
- Spiele mit fester Dauer: Jass-Passen, Schachpartien mit Bedenkzeit, Pétanque mit Zeitlimit – dann enden alle Runden gleichzeitig.
Weniger geeignet ist es bei Mannschaftssportarten auf mehreren Feldern mit festem Zeitplan – dort sind Gruppen mit Finalrunde einfacher. Alle Modi im Vergleich: Turniermodus wählen. Anwendungen: Jassturnier und Pétanque-Turnier.
Häufige Fragen
Wie viele Runden braucht das Schweizer System?
Für einen eindeutigen Sieger mindestens so viele, wie es Zweierpotenzen braucht: 8 Teilnehmende 3 Runden, 16 Teilnehmende 4 Runden, 32 Teilnehmende 5 Runden. Für eine aussagekräftige Rangliste lieber 1–2 Runden mehr.
Was ist Buchholz?
Die Summe der Punkte aller Gegner. Wer gegen starke Gegner gespielt hat, hat eine höhere Buchholz-Wertung und steht bei Punktgleichheit vorne. Die Feinbuchholz (Summe der Buchholz-Werte der Gegner) entscheidet, wenn auch das gleich ist.
Was passiert bei einer ungeraden Anzahl?
Pro Runde hat der Letztplatzierte, der noch kein Freilos hatte, spielfrei und bekommt die Punkte für einen Sieg. Niemand bekommt zweimal ein Freilos.
Warum heisst es Schweizer System?
Es wurde 1895 an einem Schachturnier in Zürich zum ersten Mal verwendet. Heute ist es im Schach Standard und beliebt bei Jass, Pétanque, Tischtennis, Magic und anderen Turnieren mit vielen Teilnehmenden.